Gundelach Röntgenröhren / X-ray

 

©  Tube Museum / Collection
Udo Radtke,  Germany
  2017-05-21

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Westlich von Ilmenau / Thüringen liegt der kleine Ort  Gehlberg. Hier entstanden Anfang 1800 eine Reihe von Glashütten.

Die Leitern am Gebäude und auf dem Dach sollen dazu gedient haben, im Falle eines Feuers, zum Löschen schnell nach oben zu kommen.

Ab 1858 arbeiteten die 3 Glasbläser, Heinrich Hartwig, Friedrich Heinz und Emil Gundelach, jeder für sich selbständig, gemeinsam in einem Betrieb und auf eigene Rechnung.

Nach dem Tode des Friedrich Heinz übernahm sein Schwiegersohn Franz Schilling den Hüttenanteil. Er hatte Wissen in der Medizintechnik, der chemische Labortechnik und brachte so viele nützliche Erkenntnisse mit nach Gehlberg. Er hatte längere Zeit im Eichamt von St. Petersburg gearbeitet und legte so sicher den Grundstein für das spätere Gehlberger Eichamt.

   Gehlberger Eichamt    

Hier liegt wohl auch der Ursprung des Firmenzeichen von Gundelach, die Waage.

Schilling besaß bereits eine Firma in seinem Heimatort Stützerbach, die er 1874 nach Gehlberg verlegte.
 >>Link zu Schilling

Emil Gundelach gründete sein Unternehmen 1852. Zu seinen Erzeugnissen zählten Glasinstrumente und Hohlglas. Erst 1895, dem Jahr der Entdeckung der Röntgenstrahlen, begann Gundelach mit der Herstellung von Röntgenröhren. Innerhalb kurzer Zeit wurden bereits gigantische Mengen davon hergestellt und im In- und Ausland abgesetzt. Es bestand damals schon glastechnisch reger Kontakt zu Schott in Jena.

Im Glasmuseum Gehlberg http://www.glasmuseum-gehlberg.de/ sind einige Röhren und Erzeugnisse nebst Dokumenten ausgestellt.   

  Emil Gundelach

Emil Gundelach starb 1888 und hinterließ 3 Söhne.

Seine Söhne Eugen und Max Gundelach führen gemeinschaftlich das Unternehmen weiter.

Eugen Gundelach

Max Gundelach hatte über die Universität Heidelberg persönlichen Kontakt zu W. C. Röntgen, welcher 1895 die X-Strahlung (auch genannt Röntgenstrahlung) entdeckte. M. Gundelach und Mitarbeiter Röntgens entwickelten die industrielle Herstellung von Röntgenröhren. Noch im selben Jahr wurden die ersten Röntgenröhren in Gehlberg hergestellt. Max war der Techniker. 

Max Gundelach

Von Max Gundelach stammt die weltbekannte Regenerier-Vorrichtung DRGM 346 585

 

Die Grabsteine der Familie Gundelach befindet sich auf dem Friedhof von Gehlberg.

In Unkenkenntnis der Auswirkungen der Röntgen-strahlung sind seinerzeit viele Mitarbeiter gestorben. Ihnen zu Ehren gibt es den nachfolgenden Gedenkstein.

Gundelach war wohl neben CHF Müller der bedeutendste Hersteller von Röntgenröhren. Trotz Entwicklung der Röntgenröhren mit Glühkathoden durch Coolidge, konnte Gundelach  noch bis ca. 1925 ein umfangreiches Programm an Ionen-Röntgenröhren verkaufen. Ab 1025 begann man dann auch mit dem Bau von Röntgenröhren auf Glühkathodenbasis.

Später stellte man u.a. auch Kathodenstrahlröhren, z.B. für Versuche von Manfred v. Ardenne her. Auch das bei Rotterdam erbeutete Magnetron der englischen Luftwaffe soll gegen Kriegsende dort zu glastechnischen Untersuchungen gewesen sein.

Im Jahre 1936 gab es noch die folgende Namensgebung.

Weitere Links zu Gundelach

>> Gundelach Typenübersicht

>> Gundelach Einfachröhren

>> Gundelach vor 1903

>> Gundelach als Lieferant für Leybold u. Ernecke

 

 

Ionen-Röntgenröhren

wurden eingesetzt für:

  • Diagnose (Momentaufnahmen, Aufnahmen über mehrere Sekunden, Durchleuchtung)
  • Therapie

Diagnose-Röhren

erfordern einen möglichst kleinen Brennfleck auf der Antikathode, um größtmögliche Bildschärfe zu erzielen. Hier besteht die Gefahr, dass mit zunehmender Belastung und Dauer die Antikathode Schaden nimmt. Deshalb wurden für fast jede erforderliche Anwendung passende Röhren konstruiert, daher die Vielfalt. So wird auch klar, warum man mit manchen Röhren sowohl das eine als auch das andere machen konnte, sofern die Wärme ausreichend abgeleitet  bzw. der Betrieb zwecks Abkühlung unterbrochen wurde.

So entstanden auch später Röhren, die extremen Belastungen, zum Beispiel "Dauer-Durchleuchtung" ohne zeitliche Beschränkung gewachsen waren.

Therapie-Röhren

benötigen eine großen Brennfleck zwecks flächenhafter Bestrahlung. Sie sind für Dauerbelastung bei geringer Strahlungsleistung ausgelegt.

Stromversorgung

Röntgen-Röhren wurden damals auch speziell an die unterschiedlichen Spannungsquellen angepasst. So durften z.B. bestimmte Röhren nicht an Induktoren mit Neff`schem Unterbrecher betrieben werden.

Regenerierung

Beim Betrieb von Ionen-Röntgenröhren verändert sich im Laufe der Nutzung das Vakuum in den Röhren. Sie werden "härter" und erfordern dann höhere Betriebsspannungen, was wiederum zu unerwünscht härterer Strahlung führt. Diese Röhren müssen dann von Zeit zu Zeit regeneriert werden. >>mehr

Dazu gibt es unterschiedliche Regeneratoren, Osmose (Villard), Kondensator (Gundelach), Bauer-Regulator. Das bedeutete für Gundelach, dass er auf Wunsch Röntgen-Röhren entweder ohne, oder mit den vorgenannten unterschiedlichen Regeneriervorrichtungen zu liefern hatte. Das führte dann bis 1925 zu ca. 250 unterschiedlichen Varianten.

Typenübersicht

Anhand von Preislisten und anderen Dokumenten von 1905 bis 1925 habe ich einmal alle dort gelisteten Röhrentypen im zeitlichen Verlauf in einer Matrix zusammengestellt. >>Gundelach-Typen

Große Sorge bereiten die einfachen Röntgenröhren bei der Identifizierung, die für Lehrzwecke in großen Mengen hergestellt wurden. Es ist zu vermuten, dass diese Röhre auch weltweit an Händler verkauft wurden, die diese dann wieder in eigenem Namen weiter verkauften.

Gundelach-Röhren haben in der Regel das typische Zeichen mit dem Waage-Balken und einer Nummer eingeätzt. Es tauchen aber heutzutage immer wieder Röhren auf, die in der Konstruktion den Originalen identisch sind, aber außer einer Nummer, nicht das Firmen-Logo haben. Stammen sie auch von Gundelach? Hat Gundelach vielleicht allen hergestellten Röhren eine fortlaufende Nummer gegeben, so dass man sie daran, verglichen mit anderen Originalen, einreihen könnte? >>Gundelach-Einfachröhren

 

 

Typen früher medizinischer Ionen-Röntgenröhren von Gundelach:

GM =  Photografie und Durchleuchtung

GMW = wie GM jedoch mit Wolfram-Antikathode

K = Konstantröhre, für längere Durchleuchtungszeiten

KW = Konstantröhre mit Wolfram-Antikathode

KW = Konstantröhre, wassergekühlt.

Wa = Wasserkühlröhre

WaW = Wasserkühlröhre mit Wolfram-Antikathode

Tp = kleine Therapie-Röhre nach Frank Schulz

TK = Therapie- Konstant-Röhre

TWa = Therapie Wasserkühl-Röhre

TWaZ = Therapie Wasserkühl-Röhre mit Zu- und Ablauf

TWaR = Therapie-Röhre mit Siedewasserkühlung

TL = Therapie-Röhre für Pressluft-Kühlung

GJ = Röhre mit Stahlblende

GJW = Röhre mit Stahlblende und Wolfram-Antikathode

KJ = Konstant-Röhre mit Stahlblende und mit Platin-Antikathode

KJW = Konstantröhre mit Stahlblende und mit Wolfram-Antikathode

EGW = Einschlagröhre für nur eine Schließung

St = Stereoskop-Röhre

Upr = Unipolar-Röhre


 

Gundelach um 1898

 
Abgebildet im Katalog von RGS 1898. Angeblich soll RGS selbst keine Röntgenröhren hergestellt haben, sondern diese zumindest über einen bestimmten Zeitraum bezogen haben. No.7922 Gundelach Röntgenröhre v. 1898
Abgebildet im Katalog v. RGS ( Reiniger-Gebbert-Schall )
Die Antikathode aus Platin, gehalten von 4 umgebogenen Laschen.

 

 
Eine offenbar frühe Gundelach-Röhre Type "0", 80x210mm mit einer axial eingebauten Telleranode. Wird im Katalog 69a aus 1910 erstmals mit Osmose- oder Gundelach-Regenerator angeboten. Im Katalog v. 1928 bestehen die Anoden nur noch aus einem einfachen schräg einmündenden Stift. Serien No.90638 Eine Scheibe aus Platin, eingelegt in eine Topfkonstruktion, gehalten von 4 eingedrückten Randstellen. Der Schaft der Kathode ist vor dem Teller flachgedrückt und an dieser Stelle mit dem Ende eines Glasröhrchens verschmolzen.

 

 
Die Anode als Teller hat es bei Gundelach von 1905 bis 1922 gegeben. Bei diesen Röhren bestand die Durchführung der Anschlüsse aus Platin. Röhren No.90638 Der Lehrmittelkatalog von 1928 zeigt die Anode nur als schräg einmündenden Stift. Die Antikathode steht dann der Kathode gegenüber und die Durchführungen sind aus Dumet. Die Reguliereinrichtung nach D.R.P.103100. Die Glaskappe dient dem Schutz des Palladium-Stäbchens, das bei Erwärmung Wasserstoff aus der Luft, durch das Metall, ins innere der Röhre leitet. Die Durchführung besteht aus blauem Glas. Das Glasröhrchen des Kathodenstabes ist durch eine Öffnung belüftet, damit das Glas durch den Druck bei Erwärmung nicht springt.

Nachfolgend die "Patentröhre" um ca. 1900. siehe auch: http://cc.museon.nl/default.aspx#489cff01-b31e-43d8-ad86-15af647ade98

Siehe auch: "Development of the X-ray" Tube Seite 33


Gundelach # 18419 eine offensichtlich sehr frühe Röhre von Gundelach, ohne Regulator, mit schwerer Anode. Abmessung: 125 x 360mm / Die Röhre erscheint erstmals im Katalog Nr. 60 aus 1905. Hat darin aber bereits den Villard- Regulator. Gundelach # 18419 eine mit 3 Löchern versehene Kathode, sehr ungewöhnlich. Gundelach # 18419 der Schriftzug auf dem Kolben. Nr.12254, DRPa, DRGM, Durchführungen aus Platin.
 
 

Weitere Gundelach-Röhren

 
  Gundelach Patent-Röntgenröhre Type "b" 120x380mm, No.15942, D.R.P. No. 109 449, D.R.G. Nr. 115 669 mit Osmo-Regenerierung, erstmals ab 1903, kleine kegelige Anschlusskappen.

 

Gundelach  Patent-Röntgenröhre Typ "d", 150x425 mm 
No. 60107, mit Osmo-Regenerierung
D.R.P. No.100 440, D.R.P. No.103 100
In der Liste 1905 sind noch die kleinen Anschlusskappen abgebildet, in Liste 1910 die hier gezeigten großen Kappen und eine Stiftanode. 1905 war es noch ein Teller.

>Details 

Gundelach Patent-Röntgenröhre Type "c" mit Villard (Osmo-) Regulator. Gundelach-Katalog 73a aus1913.
No. 75026,  DRP No. 109449 + DRP No.103100 D=130mm, L=375mm,
>Details

 

 
  Gundelach Röntgenröhre Type GMW mit Kondensator-Regulator. Eine "Moment"-Wolfram-Röhre, gebaut ab 1911, Serien No. 7643

Gundelach Type GJ
erstmals 1911 erschienen, Serien No.115346
Gundelach "K=Konstantröhre"
Schrift Vorderseite "Gundelach" Rückseite "Reiniger, Gebbert & Schall" erstmals 1915 erschienen.

Die Momentröhre hat eingraviert: DRGM 346 585 (Regenerator) und DRGM 517 109  Serien No. 103012


Gundelach "Weiwa" Ausführung A ca. 1925
mit Rippenkühler für die Kathode, zusätzlicher Stiftanode und Bauer-Regenerier-Vorrichtung. Offensichtlich hat man später den Kühlwasser-Behälter angeschraubt, der hier jedoch fehlt. Serien No. 134308 + 3250
Beschriftung: Gundelach WeiWa

Gundelach "Weiwa" Ausführung B. ca. 1925
mit Rippenkühler an der Kathode und Bauer-Regenerator. Serien No.11296+735
 
Gundelach "Weiwa"  Detail vom Kühlwasser-Behälter, rechts der Bauer-Regenerator.

Weichstrahl-Wasserkühl-Röhre "Weiwa" für Schwangerschafts-, Magen- und andere schwere Aufnahmen. Kugeldurchmesser 200mm und mit Bauer-Regulierierung 

Nachfolgend Infos zu "Weiwa" aus einem Gundelach Katalog 87 aus 1924, Seite 6.

Quelle: Siemens- MedMuseum Erlangen. http://www.medmuseum.siemens.com/


Eine weitere, bei der auf der Antikathode noch ein Trichter angebracht ist gibt es hier: http://spazioinwind.libero.it/gabinetto_di_fisica/tubi/tuboaraggix.htm


Konstanz-Ventil-Röhre n. Dr. Rosenthal,K=180mm, H=750mm, Hersteller: Gundelach 1922
Serien No.4460
Patent-Ventilröhre von Gundelach ab 1910
Serien No.3021

Die Gundelach Ventil-Röhre aus dem Katalog von ca. 1910-1920
D.R.P.209 969

 

Auszug aus einem Gundelach-Lehmittel-Katalog von 1928.

Wenn in einem Katalog von 1928 noch Ionen-Röntgenröhren enthalten sind, dann können die wohl nur noch für Demonstrationszwecke in Schulen hergestellt worden sein. 1913 wurde die Röntgenröhre mit Glühkathode von Coolidge entwickelt. Diese war der Ionen-Röntgenröhre in jeder Hinsicht überlegen. Dennoch finden sich in den Katalogen bis 1925 noch viele Röhren zur medizinischen Anwendung.

 

 

Gundelach VA760, Größe Nr.1,

   
Schul-Röntgenröhre, entspricht der VA760 im Gundelach-Katalog von 1928. Die Durchführungen sind hier bereits aus "Dumet" hergestellt. >>Details    

Röhrenentwicklungen für Manfred von Ardenne


GWE512 GWE532 kleine Hochspannungsdiode 

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