Gundelach - Geschichte

 

©  Tube Museum / Collection
Udo Radtke,  Germany
  2018-06-19

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Die Geschichte des Glases in Thüringen wird hier sehr gut beschrieben >>Geschichte

Glashütten benötigen große Mengen Energie zum Schmelzen und zur weiteren Verarbeitung. Thüringen hatte hier durch seinen Reichtum an Holz gute Bedingungen. So entstanden viele Glashütten, die zunächst alle Gebrauchsgegenstände aus Glas herstellten.

1645 erteile Herzog Ernst den Glasmachern Hans Holland und David Schmidt in Gehlberg die Erlaubnis zum Bau einer Glashütte, nebst Wohnhäusern für die Angestellten und deren Familien, sowie Weideland für die Viehhaltung und sicherte vertraglich die Lieferung von Holz gegen Bezahlung zu.

 Emil Gundelach wurde am 29.11.1821 in Stützerbach geboren. (Stammbaum) und erlernte dort bei F.F. Greiner das Glasmacherhandwerk. Zwischenzeitlich ging er auch nach Magdeburg, um dort bei dem bekannten Glasmacher seine Kenntnisse in venezianischer Glaskunst zu erweitern.

Durch Vererbung wurden die Zahl Anteile an der alten Glashütte immer größer, die Anteile selbst aber immer kleiner. Zwangsläufig ergaben sich immer mehr Streitigkeiten, die dazu führten, dass kaum noch eine Entscheidung getroffen werden konnte.

Durch Heirat mit Hulda, geborene Greiner, kam er nach 1852 nach Gehlberg, zu Anteilen an der Glashütte und gründete sein eigenes Unternehmen. Nach nicht endenden Streitigkeiten beschloss die Mehrheit der Anteilseigner ihre Anteile an Herzog Ernst zu verkaufen. Fortan waren dort dann nur noch die Glasmacher Heinrich Hartwig, Friedrich Heinz und Emil Gundelach, jeder für sich auf eigene Rechnung arbeitend, tätig.

Die alte Glashütte, am 5. Nov. 1897 abgebrannt.

Die Leitern am Gebäude und auf dem Dach sollen dazu gedient haben, im Falle eines Feuers, zum Löschen schnell nach oben zu kommen.

Nach dem Tode des Friedrich Heinz übernahm sein Schwiegersohn Franz Schilling, ebenfalls in Stützerbach geboren, den Hüttenanteil. Er hatte Wissen in der Medizintechnik, der chemische Labortechnik und brachte so viele nützliche Erkenntnisse mit nach Gehlberg. Er hatte längere Zeit im Eichamt von St. Petersburg gearbeitet und legte so sicher den Grundstein für das spätere Gehlberger Eichamt.

   Gehlberger Eichamt    

 DasGebäude existiert heute nicht mehr!

Über das Firmenemblem, bestehen aus dem großen G für Gundelach und der Balkenwaage, kann man über die Bedeutung der Waage nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Vermutung, dass bei der Herstellung des Glases die einzelnen Komponenten sehr genau abgewogen werden mussten. Eine andere Deutung betrifft das sogenannte "Marktrecht", dessen Symbol die Waage war. Um das Marktrecht zu erlangen, musste man einen seriösen Geschäftsumgang nachweisen.

Auch Schilling besaß bereits eine Firma in seinem Heimatort Stützerbach, die er 1874 samt 18 Glasbläser nach Gehlberg verlegte.  
>>Link zu Schilling

Emil Gundelach hatte sein Unternehmen bereits 1852 gegründet. Zu seinen Erzeugnissen zählten Glasinstrumente und Hohlglas.

Emil Gundelach  29.11.1821 / 26.11.1888

Er entwickelte die Weiterverarbeitung von Glasrohren vor der Lampe ( Flamme ) zu allerlei Produkten. Ab etwa 1870 wurde der Bedarf an wissenschaftlichen Geräten immer größer und er stellte sich mit der Herstellung entsprechender Produkte darauf ein. So produzierte er in dieser Zeit bereits Geissler-Röhren, Fluoreszenz-Röhren, Vakuum-Röhre, Puluj-Röhren, Doppel-Radiometer, Tesla-und Goldstein-Röhren.

Wie bedeutend seine Produkte im Ausland, zumindest USA waren, ergibt sich aus der amerikanischen Zeitung, "Der Deutsche Correspondent" vom 25.Dez. 1888.

Da wird berichtet, dass er in Deutschland der erste gewesen sei, der birnenförmige Glasglocken für das elektrische Licht fabriziert haben soll.

Als Emil Gundelach 1888 starb hinterließ er 3 Söhne. Arthur 1852-1895 war Leutnant beim Militär. Eugen und Max Gundelach führten gemeinschaftlich das Unternehmen unter dem Namen "Emil Gundelach" bis 1936 weiter.

 

Eugen Gundelach, 12.06.1854 / 12.06.1928

Eugen hatte einen Sohne Emil Arthur Eugen Gundelach, geb. 24.08.1899. Derzeit ist mir noch nicht bekannt, welche Rolle er im Unternehmen spielte. Bekannt ist, dass er sich sehr für Elektrische Komponenten interessiert haben soll, was in Anbetracht der von Gundelach hergestellten Lehrmittel nicht verwunderlich ist. Ich komme später noch einmal auf ihn, Emil 2, zurück.

Max Gundelach hatte über die Universität Heidelberg persönlichen Kontakt zu W. C. Röntgen, welcher 1895 die X-Strahlung (auch genannt Röntgenstrahlung) entdeckte. M. Gundelach und Mitarbeiter Röntgens entwickelten die industrielle Herstellung von Röntgenröhren. Noch im selben Jahr wurden die ersten Röntgenröhren in Gehlberg hergestellt. Max war der Techniker.

 

Max Gundelach 24.04.1858 / 06.10.1939

 Von Max Gundelach stammt die seinerzeit weltbekannte Regenerier-Vorrichtung DRGM 346 585, wovon behauptet wird, dass der innere Kondensatorwickel überwiegend in Heimarbeit von den Angehörigen der Glasbläser hergestellt worden sein sollen.

Am 05.Nov. 1897 brannte die alte Dorfglashütte ab und man stand vorübergehend vor dem "Aus".

Es war wohl so, dass in der Glashütte das Glas geschmolzen und dann daraus Rohre gezogen wurden. Diese Rohre gingen dann in die, auf der gegenüber liegenden Straßenseite gelegenen Betriebsräume (ehemaliges Herrenhaus), wo daraus Röntgenröhren geblasen und komplettiert wurden.

Sofort nach dem Brand startete Gundelach auf der gegenüber liegenden Straßenseite mit dem Bau einer neuen, modernen Glashütte. Am 27. April 1988 erfolgte die Grundsteinlegung und schon am 05. Oktober 1988 begann die erste Schicht im neuen Hüttenbetrieb. Eine unglaubliche Leistung! Die müssen mit allen Handwerkern Tag und Nacht daran gearbeitet haben.

Die neue Glashütte

Die Beheizung wurde nach kurzer Zeit bereits auf Kohle von Holz auf Kohle umgestellt. Man betrieb eine eigene Gasanstalt und erzeugte über Dampfkessel und Generatoren den erforderlichen elektrischen Strom.

Schon vor der Jahrhundertwende besuchte er Ausstellungen in Chicago und St. Louis, von wo er unter anderem 1904 die "Grand Prize Medaille" erhielt.

Hier ein Link zu den Deutschen Ausstellern und ihre ausgestellten Artikel.

https://ia800209.us.archive.org/25/items/deutscheunterre00goog/deutscheunterre00goog.pdf

>> was Gundelach dort ausstellte

 

Im Frühjahr 2017 habe ich alle verfügbaren  Dokumente und Preislisten aus der damaligen Zeit gesichtet und gescannt. Das älteste verfügbare Dokument stammte von 1903. Bislang ist es mir noch nicht gelungen, ältere Dokumente oder Schriftstücke aufzutreiben.

Daraus konnte ich zumindest eine Übersicht erstellen, welche Typen von wann bis wann hergestellt wurden. Das waren ca. 50 Grundtypen, die dann noch wahlweise mit unterschiedlichen Regeneratoren, Osmo-, Bauer- und Gundelach, geliefert wurden.

Man darf davon ausgehen, dass Gundelach seine Röntgenröhren auch an etliche Wiederverkaufsfirmen im In- und Ausland lieferte, wobei bis heute nicht festgestellt werden konnte, ob diese auch die typische Gundelach-Kennzeichnung hatten, vielleicht nur mit einer Nummer versehen waren oder gar keine Kennzeichnung trugen.

So konnte ich feststellen, dass Anbieter wie z.B. Ernecke, Berlin, eigene Röhrenbezeichnungen verwendete, aber die dazu veröffentlichten D.R.G.M. oder D.R.P.-Nummern original von Gundelach stammen.

Ein weiteres Beispiel ist im Katalog 1909 von Müller-Uri, Braunschweig zu finden. Auch hier stammen die Röhren von E. Gundelach.

Auch im Katalog No.3 von R. Friedlander, Chicago, findet man Gundelach Röntgenröhren wieder, hier sogar mit Original Patent- und Schutzrechts-Nummern.

Desweiteren James Biddle, Philadelphia Katalog von 1903

Auch im Kney-Scherer Katalog 1904

Oder Max Kohl Katalog 100, ca. 1927

RGS Katalog 1898 bzw. 1912

Ich bin mir sicher, dass noch weitere Firmen beliefert wurden, dazu müsste man aber im Besitz bebilderter Kataloge sein.

Gundelach lieferte auch schon um die Jahrhundertwende ein umfassendes Spektrum an Lehrmitteln für Schulen, Institute etc. Alle erschienenen Kataloge tragen fortlaufende Nummern, egal um welches Anwendungsgebiet es sich handelte.

 Das Glasmuseum-Gehlberg befndet sich im alten Herrenhaus der Gundelachs, wo auch einige Röhren und Erzeugnisse nebst Dokumenten ausgestellt sind. Eine Diashow zeigt ca. 50 verschiedenen Röhren von Gundelach.

Ferner wird auf einem Video gezeigt, wie Glas hergestellt und verarbeitet wird.

 


Das "Glasmuseum-Gehlberg" mit Glasstübchen, Cafe und Pension "Zum Glasmacher"

Ab 09.Sept.2017 sind alle Gehlberger Museumsbereiche unter dem Namen "Thüringer-Museumspark" zusammengefasst.

  • Glasmuseum

  • Heimatstube

  • Wilderermuseum

  • Postamtsmuseum

  • Schneekopfkugel-Kabinett

  • Am gleichen Tag wurde auch das neu gestaltete Wilderer-Museum wieder eröffnet.

      Die Produktion von Ionen-Röntgenröhren endete etwa um 1925. Zu der Zeit waren 150 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits 1913 hatte Coolidge die Glühkathoden-Röntgenröhre erfunden, die den Ionen-Röhren deutlich überlegen waren. Gundelach hat hier noch erste Anfänge gestartet, wurde aber letztendlich von der industriellen Fertigung bei Müller / Philips, Siemens, u.a. überrollt.

    Jetzt komme ich wieder auf den 1899 geborenen Sohn von Eugen Gundelach, Emil, Arthur, Hugo Gundelach zurück. Im Jahre 1936 gab es die folgenden Firmendaten:

     

    Es kam in der Folge noch zu gemeinsamen Entwicklungen für Manfred von Ardenne, dem Bau von Oszilloskop- und Bildröhren für den ersten Fernseher, der 1936 zur Olympiade in Berlin vorgestellt wurde.

    Desweiteren existieren aus 1937 Inserate in Fachzeitschriften, in denen Gleichrichteröhren und Bausätze für Oszillographen angeboten werden. Es taucht auch der Name DETEX auf, über den bislang noch nichts heraugefunden werden konnte.

      

      

    Nachfolgend einige Röhren zu den Bausätzen
    GWE512 GWE532 kleine Diode, GW05R
    verbaut im Röhrenvoltmeter UDC BN 102 von 1933 Physikalisch-technischen Entwicklungslabors Dr. L. Rohde und Dr. H. Schwarz

    Nachfolgendeine Gundelach-Röhrenschachtel aus dieser Zeit. Hier steht auf dem erste Bild: "50 Jahre" und der Zeitraum 1887-1937. Wie kommt das zustande? Gleichzeitig aber auch:"gegründet 1852".
         

     
         

     

    In der nachfolgenden Veröffentlichung gibt es einen ersten Hinweis, auf das, was man produzierte. Dabei fällt mir auf, dass die Schrift in der obersten Zeile, der "Tannenberg-Schrift", von den Nazis in der Zeit  von 1933 bis 1941 verwendet,  fast identisch ist. Bestimmt kein Zufall!

    Bekannt ist, dass sich es bei Gundelach ein "Entwicklungszimmer" gegeben hat, zu dem nur ganz wenige Personen mit eigenen Schlüsseln Zugang hatten. Was hier entwickelt wurde ist leider nicht bekannt. Hing es vielleicht mit der Radarstation der Wehrmacht auf dem Schneekopf oder den geheimen Stollen der Wehrmacht im Jonastal zusammen?

    1938 zog sich Max Gundelach aus der Geschäftsführung zurück. Er verstarb 1939. Am 30.09.1938 trat der Kaufmann Paul Heinrich aus Gehlberg  als persönlch haftender Gesellschafter in die offene Handelsgesellschaft ein. Es konnte bis heute nicht herausgefunden serden, wer dieser Paul Heinrich war. Vermulich auch ein Nazi, mit welchen Absichten auch immer, beauftragt.

    Was man währen des zweiten Weltkrieges im Detail hergestellt hat, ist nicht bekannt. Aber das bei Rotterdam erbeutete Magnetron der englischen Luftwaffe soll gegen Kriegsende dort zu glastechnischen Untersuchungen gewesen sein.

    In meiner Sammlung befindet sich das, auf Basis des in Rotterdam gefindenen Magnetrons, entwickelte LMS10. Auf der Rückseite befindet sich der Buchstabe "G", der dem Gundelach-G sehr ähnlich ist. Wurde auch hier in Gehlberg an dem LMS10 gearbeitet?

      Das "G" auf dem LMS10           Das Original-Gundelachzeichen

    Bekannt ist, dass Emil (2) seinerzeit, wie viele andere, dem NS angehörte und gegen Ende des Krieges in Gehlberg Ortsgruppenführer war. Diesen Posten soll er aber  auf Drängen anderer angenommen haben, weil ihn niemand übernehmen wollte.

    1945, gegen Ende des Krieges, rückten die amerikanischen Truppen nach Gehlberg vor. Bei Gundelach wurde alles für sie scheinbar wichtiges und wertvolles aufgeladen und abtransportiert. Emil (2) Gundelach wurde festgenommen und ins US-Internierungslager nach Dachau verbracht. Ingesamt waren hier über 100.000 Personen interniert, deren Vergangenheit bezüglich der NS-Zeit überprüft werden sollte.

    1948 kam Emil (2), ohne etwas negetives über ihn herausgefunden zu haben, in Dachau wieder frei. Seine Familie wusste bis dahin nicht, wo er war.

    Anfang der 50er Jahre begann er in Rottenhausen mit dem Bau einer neuen Glashütte, die 1952 in Betrieb ging, aber wegen Nichteinhaltung zugesagter Unterstützung mit Wohnraum für anzuwerbende Glasbläser durch die Gemeinde, kurz darauf in Konkurs.

    Nach dem Tod seiner Mutter in Gehlberg, zu deren Beerdigung er dort hinreiste,  nahm er einen Posten als Ingenieur im damaligen Röntgenrwerk in Rudolstadt an, wo er 1969 verstarb.

     Die Grabsteine der Familie Gundelach befindet sich auf dem Friedhof von Gehlberg.

    In Unkenkenntnis der Auswirkungen der Röntgen-Strahlung sind seinerzeit viele Mitarbeiter gestorben. Ihnen zu Ehren gibt es den nachfolgenden Gedenkstein.

     

    Die Gundelach Gebäude Mitte und links heute 2017

    Gundelach war wohl, neben C.H.F. Müller in Hamburg, der ebenfalls aus Thüringen stammt, der weltweit bedeutendste und größte Hersteller von Ionen-Röntgenröhren. Innerhalb kurzer Zeit wurden bereits gigantische Mengen davon hergestellt und im In- und Ausland abgesetzt. In einem Inserat aus dem Jahre 1901/02 wird eine Zahl von bereits 23.000 Stück gelieferter Röhren genannt. Es bestand damals schon glastechnisch reger Kontakt zu Schott in Jena.


        Sollte jemand eine Fehler finden oder etwas zu ergänzen haben, so bitte ich um eine Mail. 

       In case there is something incorrect or should be added, please send me a mail.