Gundelach - Geschichte

 

©  Tube Museum / Collection
Udo Radtke,  Germany
  2017-09-16

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Die Geschichte des Glases in Thüringen wird hier sehr gut beschrieben >>Geschichte

Glashütten benötigen große Mengen Energie zum Schmelzen und zur weiteren Verarbeitung. Thüringen hatte hier durch seinen Reichtum an Holz gute Bedingungen. So entstanden viele Glashütten, die zunächst alle Gebrauchsgegenstände aus Glas herstellten.

1645 erteile Herzog Ernst den Glasmachern Hans Holland und David Schmidt in Gehlberg die Erlaubnis zum Bau einer Glashütte, nebst Wohnhäusern für die Angestellten und deren Familien, sowie Weideland für die Viehhaltung und sicherte vertraglich die Lieferung von Holz gegen Bezahlung zu.

Durch Vererbung wurden die Zahl Anteile an der alten Glashütte immer größer, die Anteile selbst aber immer kleiner. Zwangsläufig ergaben sich immer mehr Streitigkeiten, die dazu führten, dass kaum noch eine Entscheidung getroffen werden konnte.

Emil Gundelach wurde am 29.11.1821 in Stützerbach geboren und erlernte dort das Glasmacherhandwerk. Zwischenzeitlich ging er auch nach Magdeburg, um dort bei dem bekannten Glasmacher seine Kenntnisse zu erweitern.

Durch Heirat mit Hulda, geborene Greiner, kam er nach 1852 nach Gehlberg, zu Anteilen an der Glashütte und gründete sein eigenes Unternehmen. Nach nicht endenden Streitigkeiten beschloss die Mehrheit der Anteilseigner ihre Anteile an Herzog Ernst zu verkaufen. Fortan waren dort nur noch die Glasmacher Heinrich Hartwig, Friedrich Heinz und Emil Gundelach, jeder für sich auf eigene Rechnung arbeitend, tätig.

Die alte Glashütte, am 5. Nov. 1897 abgebrannt.

Die Leitern am Gebäude und auf dem Dach sollen dazu gedient haben, im Falle eines Feuers, zum Löschen schnell nach oben zu kommen.

Nach dem Tode des Friedrich Heinz übernahm sein Schwiegersohn Franz Schilling, ebenfalls in Stützerbach geboren, den Hüttenanteil. Er hatte Wissen in der Medizintechnik, der chemische Labortechnik und brachte so viele nützliche Erkenntnisse mit nach Gehlberg. Er hatte längere Zeit im Eichamt von St. Petersburg gearbeitet und legte so sicher den Grundstein für das spätere Gehlberger Eichamt.

   Gehlberger Eichamt    

Hier liegt wohl auch der Ursprung des Firmenzeichen von Gundelach, die Waage. DasGebäude existiert heute nicht mehr!

Schilling besaß bereits eine Firma in seinem Heimatort Stützerbach, die er 1874 samt 18 Glasbläser nach Gehlberg verlegte.  
>>Link zu Schilling

Emil Gundelach hatte sein Unternehmen bereits 1852 gegründet. Zu seinen Erzeugnissen zählten Glasinstrumente und Hohlglas.

Emil Gundelach  29.11.1821 / 26.11.1888

Er entwickelte die Weiterverarbeitung von Glasrohren vor der Lampe ( Flamme ) zu allerlei Produkten. Ab etwa 1870 wurde der Bedarf an wissenschaftlichen Geräten immer größer und er stellte sich mit der Herstellung entsprechender Produkte darauf ein. So produzierte er in dieser Zeit bereits Geissler-Röhren, Fluoreszenz-Röhren, Vakuum-Röhre, Puluj-Röhren, Doppel-Radiometer, Tesla-und Godstein-Röhren.

Als Emil Gundelach 1888 starb hinterließ er 3 Söhne. Arthur 1852-1895 war Leutnant beim Militär. Eugen und Max Gundelach führten gemeinschaftlich das Unternehmen unter dem Namen "Emil Gundelach" bis 1936 weiter.

Eugen Gundelach, 12.06.1854 / 12.06.1928

 

Max Gundelach hatte über die Universität Heidelberg persönlichen Kontakt zu W. C. Röntgen, welcher 1895 die X-Strahlung (auch genannt Röntgenstrahlung) entdeckte. M. Gundelach und Mitarbeiter Röntgens entwickelten die industrielle Herstellung von Röntgenröhren. Noch im selben Jahr wurden die ersten Röntgenröhren in Gehlberg hergestellt. Max war der Techniker.

 

Max Gundelach 24.04.1858 / 06.10.1939

Von Max Gundelach stammt die seinerzeit weltbekannte Regenerier-Vorrichtung DRGM 346 585, wovon behauptet wird, dass der innere Kondensatorwickel überwiegend in Heimarbeit von den Angehörigen der Glasbläser hergestellt worden sein sollen.

Am 05.Nov. 1897 brannte die alte Dorfglashütte ab und man stand vorübergehend vor dem "Aus".

In der Zwischenzeit mussten aber auch weiterhin Röntgenröhren gebaut werden. Durch die alten Beziehungen zu Glashütten in Stützerbach schickte Gundelach einen Teil seiner Glasbläser dort hin, die dann dort die Röntgenröhren fertigten.

Sofort nach dem Brand startete Gundelach auf der gegenüber liegenden Straßenseite mit dem Bau einer neuen, modernen Glashütte. Am 27. April 1988 erfolgte die Grundsteinlegung und schon am 05. Oktober 1988 begann die erste Schicht im neuen Hüttenbetrieb. Eine unglaubliche Leistung! Die müssen mit allen Handwerkern Tag und Nacht daran gearbeitet haben.

Die neue Glashütte

Die Beheizung wurde nach kurzer Zeit bereits auf Kohle von Holz auf Kohle umgestellt. Man betrieb eine eigene Gasanstalt und erzeugte über Dampfkessel und Generatoren den erforderlichen elektrischen Strom.

Schon vor der Jahrhundertwende besuchte er Ausstellungen in Chicago und St. Louis, von wo er unter anderem 1904 die "Grand Prize Medaille" erhielt.

Hier ein Link zu den Deutschen Ausstellern und ihre ausgestellten Artikel.

https://ia800209.us.archive.org/25/items/deutscheunterre00goog/deutscheunterre00goog.pdf

>> was Gundelach dort ausstellte

 

Im Frühjahr 2017 habe ich alle verfügbaren  Dokumente und Preislisten aus der damaligen Zeit gesichtet und gescannt. Das älteste verfügbare Dokument stammte von 1903. Bislang ist es mir noch nicht gelungen, ältere Dokumente oder Schriftstücke aufzutreiben.

Daraus konnte ich zumindest eine Übersicht erstellen, welche Typen von wann bis wann hergestellt wurden. Das waren ca. 50 Grundtypen, die dann noch wahlweise mit unterschiedlichen Regeneratoren, Osmo-, Bauer- und Gundelach, geliefert wurden.

Man darf davon ausgehen, dass Gundelach seine Röntgenröhren auch an etliche Wiederverkaufsfirmen im In- und Ausland lieferte, wobei bis heute nicht festgestellt werden konnte, ob diese auch die typische Gundelach-Kennzeichnung hatten, vielleicht nur mit einer Nummer versehen waren oder gar keine Kennzeichnung trugen.

So konnte ich feststellen, dass Anbieter wie z.B. Ernecke, Berlin, eigene Röhrenbezeichnungen verwendete, aber die dazu veröffentlichten D.R.G.M. oder D.R.P.-Nummern original von Gundelach stammen.

Ein weiteres Beispiel ist im Katalog 1909 von Müller-Uri, Braunschweig zu finden. Auch hier stammen die Röhren von E. Gundelach.

Auch im Katalog No.3 von R. Friedlander, Chicago, findet man Gundelach Röntgenröhren wieder, hier sogar mit Original Patent- und Schutzrechts-Nummern.

Desweiteren James Biddle, Philadelphia Katalog von 1903

Auch im Kney-Scherer Katalog 1904

Oder Max Kohl Katalog 100, ca. 1927

RGS Katalog 1898 bzw. 1912

Ich bin mir sicher, dass noch weitere Firmen beliefert wurden, dazu müsste man aber im Besitz bebilderter Kataloge sein.

Gundelach lieferte auch schon um die Jahrhundertwende ein umfassendes Spektrum an Lehrmitteln für Schulen, Institute etc. Alle erschienenen Kataloge tragen fortlaufende Nummern, egal um welches Anwendungsgebiet es sich handelte. Sie erschienen unter Bezeichnungen wie:

 Im Glasmuseum-Gehlberg, das sich heute im alten Herrenhaus der Gundelachs befindet, sind einige Röhren und Erzeugnisse nebst Dokumenten ausgestellt. Eine Diashow zeigt ca. 50 verschiedenen Röhren von Gundelach.

Wie Glas hergestellt und verarbeitet wird, ist ebenfalls auf einem Video zu sehen.

 


Das "Glasmuseum-Gehlberg" mit Glasstübchen, Cafe und Pension "Zum Glasmacher"

Ab 09.Sept.2017 sind alle Gehlberger Museumsbereiche unter dem Namen "Thüringer-Museumspark" zusammengefasst.

  • Heimatmuseum

  • Glasmuseum

  • Heimatstube

  • Wilderermuseum

  • Postamtsmuseum

  • Schneekopfkugeln

  • Am gleichen Tag wurde das neu gestaltete Wilderer-Museum wieder eröffnet.

      Die Produktion von Ionen-Röntgenröhren endete etwa um 1925. Zu der Zeit waren 150 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits 1913 hatte Coolidge die Glühkathoden-Röntgenröhre erfunden, die den Ionen-Röhren deutlich überlegen waren. Gundelach hat hier noch erste Anfänge gestartet, wurde aber letztendlich von der industriellen Fertigung bei Müller / Philips, Siemens, u.a. überrollt.

    Es kam in der Folge noch zu gemeinsamen Entwicklungen für Manfred von Ardenne, dem Bau von Oszilloskop- und Bildröhren für den ersten Fernseher, der 1936 zur Olympiade in Berlin vorgestellt wurde.

    1936 zog sich Max Gundelach aus der Geschäftsführung zurück. Er verstarb 1937.

    Währen des zweiten Weltkrieges konzentrierte man sich auf die Herstellung von Labor- und Geräteglas. Auch das bei Rotterdam erbeutete Magnetron der englischen Luftwaffe soll gegen Kriegsende dort zu glastechnischen Untersuchungen gewesen sein.

    Die Grabsteine der Familie Gundelach befindet sich auf dem Friedhof von Gehlberg.

    In Unkenkenntnis der Auswirkungen der Röntgen-Strahlung sind seinerzeit viele Mitarbeiter gestorben. Ihnen zu Ehren gibt es den nachfolgenden Gedenkstein.

     

    Im Jahre 1936 gab es noch die folgende Namensgebung.

    Die Gundelach Gebäude Mitte und links heute 2017

    Gundelach war wohl, neben C.H.F. Müller in Hamburg, der ebenfalls aus Thüringen stammt, der weltweit bedeutendste und größte Hersteller von Ionen-Röntgenröhren. Innerhalb kurzer Zeit wurden bereits gigantische Mengen davon hergestellt und im In- und Ausland abgesetzt. In einem Inserat aus dem Jahre 1901/02 wird eine Zahl von bereits 23.000 Stück gelieferter Röhren genannt. Es bestand damals schon glastechnisch reger Kontakt zu Schott in Jena.


        Sollte jemand eine Fehler finden oder etwas zu ergänzen haben, so bitte ich um eine Mail. 

       In case there is something incorrect or should be added, please send me a mail.