Einfach-Röntgenröhren, welche ist von Gundelach?

 

©  Tube Museum / Collection
Udo Radtke,  Germany
  2017-12-04

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Nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 bestand weltweit großes Interesse, solche Versuche selbst durchzuführen. So ist es nicht verwunderlich, wenn speziell Glasbläser für den Bau dieser ersten Röntgenröhren geeignet waren.

Erste Röhren waren wohl mehr zu Schau- und Lehrzwecken im Einsatz als in der Medizin.

Die Literatur verwendet dafür Begriffe wie:

  • Einfach-Röntgenröhren
  • Demonstrations-Röntgen-Röhren
  • Lehrmittel-Röntgen-Röhren
  • Education X-ray tubes
  • Primitiv X-ray tubes
  • Simple X-ray tubes

Heutzutage tauchen immer wieder einfache Röntgenröhren auf, die keine Kennzeichnung haben und von denen man deshalb nicht weiß, wer sie hergestellt hat. Aufkleber müssen nicht unbedingt den Hersteller ausweisen!

Bekannt ist inzwischen, dass Gundelach zumindest teilweise Röntgen-Röhren an anderer Anbieter von Lehrmitteln lieferte, z.B. Leybold, Ernecke und Friedlander Chicago. F. Schilling, Gehlberg lieferte z.B. an Otto Pressler Leipzig. Vermutlich wurde auch noch an weitere Anbieter im Ausland geliefert.

Die Fragen zu solchen Röhren lauten?

  • ohne Kennzeichnung
  • nur mit einer Serien-Nummer
  • mit Fremdbezeichnung
  • wer hat noch Abbildungen aus anderen Katalogen dieser Zeit?
  • was sind die spezifischen Merkmale der Gundelach-Röhre?
  • haben sich bauliche Merkmale dieser Röhren im Laufe der Zeit geändert?

Eine weitere Zusammenstellung von einfachen Röntgenröhren, nachweislich und vermutlich von Gundelach hergestellt, gibt es hier: >>gundelach-checklist Dort sind Abbildungen von eigenen und fremden Röhren, Details und auch Serien-Nummern tabellarisch zusammengestellt. Es scheint sich zu bestätigen, dass Gundelach auch ungestempelte oder nur mit einer Serien-Nummer versehene Röhren an Kunden oder Weiterverkäufer lieferte.

Max Gundelach kannte Röntgen schon aus Heidelberg und war vermutlich einer der ersten Hersteller, der geeignete Röhren, vermutlich sogar an Röntgen an Röntgen lieferte. Aber auch Firmen, wie Müller Unkel oder Greiner & Friedrichs, Stützerbach, werden genannt. Frühe Hersteller von beachtlichen Stückzahlen waren Gundelach, Gehlberg und C.H.F. Müller in Hamburg.

Die ersten Röhren dieser Bauart hatten zunächst nur "leichte" Antikathoden aus Platin.

Gundelach-Röhren haben in der Regel folgende eingeätzte Beschriftungen.

  • Gundelach-Name oder das Waage-Emblem
  • Typenbezeichnung ( erst später)
  • Serien-Nummer No. ( nicht Nr.)
  • Schutzrechte, D.R.P.( Deutsches Reichspatent), D.R.G. (Deutsches-Reichs-Gebrauchsmuster) oder später D.R.G.M (ebenfalls  Deutsches-Reichs-Gebrauchsmuster)

Manche unbekannte Röhre hat zumindest eine Serien-Nummer. Wer war der Hersteller? Wir sollten mal versuchen, alle Einfachröhren mit Details zu sammeln, vielleicht kommt man dann zu neuen Erkenntnissen.

Dazu ist schon mal das nachfolgende Dokument, ein Schreiben von Max Gundelach an Holzknecht und Kraus sehr aufschlussreich. Er hat offensichtlich in Ermangelung an Fotos, Skizzen angefertigt und das Jahr zugeordnet.

Beginnen wir mit den 2 Röhren #18601 und #18602, die der Ausführung von 1896 entsprechen dürften.

Eine weitere Röhre #18390, soll angeblich im RGS-Katalog von 1898 erschienen, und von Gundelach hergestellt worden sein. Her dürfte es sich um die sog. "Kugel-Röhre" von 1896 handeln.

Kappe

Gundelach-Röhre mit Beschriftung No.7922 ( angeblich im RGS-Katalog 1898 )

Nachfolgend die Details der Gundelachröhre # 18602. Sie trägt das Gundelach-Zeichen und hat die extrem niedrige Nummer 7945 eingeätzt. 

Gundelach-Röhre Serien-No. 7945

 

Eine mit der No.7945 identische Röhre ist auf der Seite http://www.crtsite.com/page5-2.html rechts unten gezeigt. Nach Auskunft ist sie mit Gundelach gestempelt und trägt die Serien-No. 5658

Die Gundelach-Liste aus dem Jahr 1903 zeigt eine Antikathode, die unter 45° schräg zur Achse liegt. Die Anode hat einen Teller und liegt der Kathode gegenüber. Das Target wird als dünne Scheibe ausgeführt dargestellt.

 

Die stabförmigen Zuleitungen zu Anode und Antikathode sind bei Gundelach allesamt in Glas gebettet.

In der nachfolgenden Liste von 1905 ist die Antikathode bereits schalenförmig ausgebildet. Darin liegt, von Randverformungen gehalten, die Platinscheibe. Interessant ist sicher auch das auf dem Kolben deutlich sichtbare G mit der Waage darin. Auf einer Röhre habe ich es aber noch nie gesehen.

Die nachfolgende Röhre # 18541 hat eingeätzt die Nummer 49390 und auch Durchführungen aus Platin. Ein Gundelach-Logo ist nicht vorhanden.

Die Frage: Ist sie von Gundelach oder nicht?

Da der DUMET-Draht  erst 1911 erfunden und das Patent 1913 erteilt wurde, darf man wohl davon ausgehen, dass alle Röhren mit Platin-Durchführungen vor 1913 produziert wurden.

Die letzten Gundelach-Röhren dieser Bauart sind noch im Katalog 1924 aufgeführt, danach nicht mehr.

Im Lehrmittel-Katalog von 1928 sind sie als "Schul-Röntgenröhren" wieder drin, jedoch mit DUMET-Durchführungen und die Anoden sind hier nur noch als "Stifte" ausgebildet.

Die nachfolgende # 18511, mit Gundelach gestempelt, hat Serien-No, 119072 und entspricht der Va760 im Katalog 1928. das ist die Va 761, jedoch ohne Regeneration.

  Gundelach Va760

Auszug aus einem Gundelach-Lehmittel-Katalog von 1928.

Wenn in einem Katalog von 1928 noch Ionen-Röntgenröhren enthalten sind, dann können die wohl nur noch für Demonstrationszwecke in Schulen hergestellt worden sein. 1913 wurde die Röntgenröhre mit Glühkathode von Coolidge entwickelt. Diese war der Ionen-Röntgenröhre in jeder Hinsicht überlegen. Dennoch finden sich in den Katalogen bis 1925 noch viele Röhren zur medizinischen Anwendung.

 

Eine weitere, die # 18559, ist vermutlich keine Gundelach. Der Durchmesser passt nicht zur Gundelach-Reihe. Am Rand des Napfes der Antikathode sind 4 Nasen nach innen gebogen und halten so die Platinscheibe.

       

Es könnte eine Röhre von Müller sein und würde der Abbildung der Müller-Röhren Nr.11, Produktion bis 1914 entsprechen. Dazu gibt es die Röhre # 13129 von Watson & Son, hergestellt von Müller Hamburg, die etliche Gemeinsamkeiten aufweist.


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